Mannheimer Wasserturm

Mannheimer Wasserturm

Der Mannheimer Wasserturm ist ein bekanntes Wahrzeichen von Mannheim. Erbaut wurde der Wasserturm von 1886 bis 1889 nach den Plänen von Gustav Halmhuber. Der Turm ist 60 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 19 Meter. Der Turm war der erste städtische Wasserturm Mannheims und hatte anfangs alle Funktionen der Trinkwasserversorgung zu erfüllen, inklusive des Haltens eines konstanten Wasserdrucks. Nach dem Bau des höher gelegenen Wasserturms Luzenberg 1909 diente er noch bis zum Jahr 2000 als Reserve-Hochbehälter.
Da Mannheim in der Rheinebene liegt, ist das Grundwasser nicht sehr tief unter der Erdoberfläche und daher oft von minderer Qualität. Deshalb schlug schon während der Regierungszeit des Kurfürsten Carl Ludwig der Handelsmann Helferich Geil vor, „Bergwasser von Rohrbach“ (heute ein Stadtteil von Heidelberg) nach Mannheim zu leiten. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde der Wasserbedarf des kurfürstlichen Hofs durch den Oberen und den Unteren Fürstenbrunnen am Heidelberger Schloss gedeckt. Der kurpfälzische Baudirektor Johann Andreas von Traitteur schreibt im Jahr 1798 über diese Wassertransporte:

„Wegen Mangel eines gesunden, guten Brunnenwassers wurde, so lang die Hofhaltung in Mannheim war, täglich das nöthige Wasser für dieselbe aus dem Gebirg beigeführt. Bekanntlich mußte die Hofkammer einen besonderen dazu eingerichteten Wasserwagen halten, welcher täglich nach Heidelberg fuhr, und das Wasser aus dem Fürstenbrunnen oben im Schloßhof ablangte.“[1]

Im Jahr 1758 wurde der naturwissenschaftlich ausgebildete Jesuit Christian Mayer nach Frankreich geschickt, um dort alle Wasserleitungen in Augenschein zu nehmen. Pater Mayer schrieb nach seiner Rückkehr viel von Hydraulik, aber eine Wasserleitung wurde nicht gebaut. Im Jahr 1770 schlug der Mannheimer Küfermeister Mannsperger vor, Wasser von Rohrbach in einem Weinschlauch nach Mannheim zu leiten. Sein Vorschlag wurde aber von einer Kommission des Stadtrats abgeschmettert.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl Mannheims rasch, was zur Folge hatte, dass die Versorgung aus dem Käfertaler Wasserwerk bald nicht mehr ausreichte. Die Stadt brauchte daher einen eigenen Wasserturm. Der ausgewählte Standort war ideal, da von hier aus nur kurze Leitungswege zu den Haushalten in der Innenstadt, zur Schwetzingerstadt, zum Lindenhof und zu der damals gerade entstehenden Oststadt nötig waren.

Der US-amerikanische Physiker Benjamin Thompson aus Massachusetts veranlasste den kurpfälzischen Major und Administrationsrat Johann Andreas von Traitteur, sich mit der Wasserversorgungsfrage zu befassen. Mit dem Eingreifen von Traitteur wurde der Wendepunkt in der endlosen Diskussion erreicht. Er untersuchte die Wasserläufe oberhalb Rohrbachs und Wasseradern jenseits des Neckars. Da er sehr gewissenhaft vorging, brauchte er dazu sieben Jahre Zeit und erschöpfte damit die Geduld seiner Auftraggeber. Am 20. Juni 1790 reichte Traitteur dann endlich seine Denkschrift ein. Darin versprach er, innerhalb von zwei Jahren aus dem Gebirge bei Rohrbach genügend Wasser zum Trinken und zum häuslichen Gebrauch in Menge nach Mannheim zu leiten, um damit zwölf Springbrunnen, verschiedene öffentliche Rohrbrunnen, das Mannheimer Schloss und viele Privatgebäude zu versorgen. Außerdem verpflichtete sich Traitteur dazu, die Wasserleitung auf eigene Kosten zu bauen. Da Traitteur unbestimmt formulierte Privilegien gefordert hatte, trat eine Kommission zusammen, die sich mit diesen Bestimmungen abgab, und machte ihm Auflagen, die Traitteur nötigten, seine Pläne zu ändern. Im zweiten Vertragsabschluss vom 1. März 1791 verpflichtete sich der Ingenieur, die Wasserleitung bis Ende des Jahres 1792 zu vollenden, denn dann sollte das goldene Regierungsjubiläum Karl Theodors gefeiert werden.

Traitteur sah sich schließlich durch Geldmangel gezwungen, die Arbeiten einzustellen, und schaffte es nicht, die Bedingungen eines dritten Vertrags einzuhalten, obwohl er neue Arbeiter eingestellt, einen Steinbruch eingerichtet und zwei Ziegeleien errichtet hatte. Die Belagerung Mannheims 1795 machte allen Bemühungen ein Ende. Die Franzosen benutzten die Holzdeicheln als Brennholz, die Österreicher schütteten den Leitungskanal aus militärischen Gründen zu. Im Jahr 1797 konstatierte die Hofkammer, dass es unmöglich sei, die Arbeiten an der Wasserleitung fortzusetzen. So kam zwischen Traitteur und der Kammer ein Vergleich zustande, wodurch alle früheren Verträge aufgehoben und für Traitteur eine Entschädigung festgesetzt wurde. Sie wurde ihm aber erst nach langen Prozessen in Staatsobligationen ausgezahlt.

9 thoughts on “Mannheimer Wasserturm

  1. Damals haben sie noch wunderschöne Wassertürme erbaut.
    Dieser hier erstrahlt in der Abendsonn so richtig.
    Was für ein Hin und Her bei den Vorbereitungen, ist schon verrückt, und es gab doch noch ein gutes Ende.
    Wie schön.

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